Weichen für die Zukunft – Leitzentralen der belgischen Bahn

Seit 1991 ist die belgische Bahn in drei eigenständig agierende Geschäftsbereiche untergliedert. Das Unternehmen Infrabel ist dabei für die Pflege, die Wartung und den Ausbau des Streckennetzes zuständig. Um die Sicherheit im Bahnverkehr zu optimieren, hatte der Konzern 2007 beschlossen, die Anzahl der landesweit vorhandenen Stellwerks- und Steuerungszentralen zu erhöhen. Im französischsprachigen Teil des Landes wurden dazu neue Anlagen in den Städten Lüttich, Monceau, Mons, Neufchateau und La Louvière neu geplant. Die in direkter Nähe zu den jeweiligen Bahnhöfen realisierten Neubauten beherbergen nicht nur die gesamte Leittechnik, sondern nehmen gleichzeitig auch Büro- und EDV-Räume für die vor Ort tätigen Mitarbeiter auf.

Mit der Planung und Ausführung der verschiedenen Projekte war 2007 das Lütticher Ingenieurbüro Canevas beauftragt worden. Um die unterschiedlichen Funktionen der neuen Leitzentralen unter einem Dach zusammenzuführen und dabei dem Wunsch von Infrabel nach einer hochwertigen und langlebigen Architektur zu entsprechen, haben die Planer sämtliche Neubauten als kompakte Klinkervolumen realisiert.

In Sichtweite zum neuen Bahnhof von Calatrava

NeufchateauDas größte der Projekte ist im Frühjahr dieses Jahres in Lüttich fertiggestellt worden. Der rund 500 Meter südöstlich vom neuen Hauptbahnhof von Santiago Calatrava am Ufer der Maas platzierte Neubau integriert auf drei Ebenen modernste Schalt- und Leittechnik zur Steuerung des ein- und ausfahrenden Bahnverkehrs in Richtung Brüssel sowie nach Deutschland, Frankreich und in die Niederlande.

Ausgehend von dem schmalen Grundstück und der Lage entlang der Bahntrasse wurde der Neubau als schmaler, terrassenförmig in Richtung Norden absteigender Baukörper realisiert. Ein charakteristischer Blickfang ist dabei die aufwändig detaillierte, rund 3.500 Quadratmeter große Klinkerfassade. Nach Norden und Süden sowie zur östlich angrenzenden Rue Namur wird die Hülle in einigen Bereichen durch schmale vertikale oder kleinere quadratische Fenster geöffnet. In gegenüberliegender Richtung wurde zusätzlich eine lange horizontale Glasfront eingefügt, um einen freien Ausblick auf die Bahntrasse zu ermöglichen. Sämtliche Fensterrahmen wurden zurückliegend oder plan in die Fassade eingefügt und ebenso wie Jalousien, Türen oder Mauerwerksabdeckungen in rostroter Farbigkeit ausgewählt.

Differenziertes Mauerwerk

Wiesmoor Kohle-BuntDas Material Klinker stand für uns aufgrund seiner Langlebigkeit, seiner Zeitlosigkeit und seinem Bezug zur Umgebung von vorne herein fest“, berichtet Projektarchitekt Stéphane Marville.
Bei sämtlichen Projekten kam dabei der Röben Handstrich-Verblender WIESMOOR kohlebunt im 210 x 100 x 50 mm großen Waalformat zum Einsatz. Die individuelle Ausstrahlung und die dunkle, leicht bunte Farbigkeit der Steine ermöglichen eine abwechslungsreiche Fassadenoptik voller Charakter, die hervorragend mit den zahlreichen rostroten Details harmoniert.

Um das Fassadenbild in einer dritten Dimension zu beleben, wurden bei dem Neubau in Lüttich - ähnlich wie bei den anderen Projekten auch - unterschiedliche Mauerwerkstechniken angewendet, die der Baustoff aufgrund seiner Kleinteiligkeit geradezu herausfordert: Neben einem traditionellen Halbsteinverband finden sich Abschnitte mit 1cm zurückliegend oder 1cm vorstehend gemauerten Steinen und Reihen. Sehr tief liegende Fugen verstärken den plastischen Eindruck der Reliefs, die besonders bei Streiflicht ihre Wirkung entfalten. Die ungewöhnliche Gestaltung greift zurück auf die lange Tradition des Backsteinbaus in früheren Jahrhunderten und sorgt so für eine ausgesprochen lebendige Facette der ansonsten betont funktionalen Architektur.

 Um trotz der aufwändigen Mauerwerkstechniken einen zügigen und kostengünstigen Baufortschritt zu erreichen, haben wir durchgehend vorgefertigte Fensterstürze verwendet“, so Stéphane Marville. „Sämtliche Lösungen wurden durch den Röben-Planungsservice berechnet, gezeichnet, anschließend gefertigt und auf die Baustelle geliefert.“ Eine große Herausforderung waren die Verbände und dreidimensionalen Versprünge der Fertigbauteile, die nach den präzisen Vorgaben in aufwändiger Handarbeit im Röben Fertigteilwerk entstanden. Perfekte Maßarbeit also!
Monceau